Finanzielle Hilfe

Unterstützen Sie die Arbeit unseres Vereins durch einen Klick auf das Amazon Logo.

 

Premierefieber „Stürmische Höhen“

premfieb030411_2

Magdeburg,  3. April 2011 (KFG) Das Theater Magdeburg lud anlässlich der Premiere des Balletts „Stürmische Höhen“ am 16. April 2011 zu einer Einführungsveranstaltung ein. Das künstlerische Team Gonzalo Galguera (Choreograf), Juan Leòn (Bühnenbildner), Pawel Poplawski (musikalischer Leiter), Stephan Stanisic (Kostümbildner) und Michael Otto (Dramaturg) gab für jeden Bereich detailliert Auskunft zur Entstehung des tänzerischen Schauspiels. Michael Otto skizzierte die Romanvorlage „Stürmische Höhen“ bzw. „Sturmhöhe“

 

von Emily Brontë, welche 1847 das Werk unter dem maskulinen Pseudonym Ellis Bell veröffentlichte. Die Hauptfiguren des Romans Heathcliff und Cathy werden als wild, leidenschaftlich, willensstark und kompromisslos beschrieben. Kritiker der Literatur der viktorianischen Zeit bemerkten man könne sich für keine Person in dieser Handlung empathisch zeigen. Befürworter dieser Dichtkunst verglichen die umschrittene Geschichte Brontës mit Shakespeare. Die Thematik der Sturmhöhe wurde zahlreich künstlerisch in Filmen und Bühnenwerken umgesetzt.

 

 

premfieb030411Die Inszenierung in Magdeburg ist eine Premiere des Balletts in Deutschland. Claude-Michel Schönberg bezeichnete es als Genuss eine Ballettmusik zu komponieren ohne Rücksicht auf die Sprache zu nehmen. In der Kooperation mit David Nixon erlebte die getanzte Sturmhöhe am 21.9.2002 ihre Erstaufführung. Nach der Inspiration zu „Stürmischen Höhen“ befragt, gibt Gonzalo Galguera an, ihm sei das Stück über die Medien Hörspiel und Film bekannt. Hinsichtlich Schönbergs freute er sich, dass ein Komponist diese Handlung musikalisch explizit für das Ballett kreierte. Im Weiteren habe er überlegt, wie die Geschichte und die Interaktion des Stoffes mit den Tänzern der Company umzusetzen sei. Dem Tanz fehle es an der sprachlichen Quelle, der Körper stelle die Gedanken und Gefühle dar. Das klassische Ballett bilde zwar die Grundlage für die Umsetzung der Handlung, jedoch verlange Galguera seinen Tänzern eine innovative Interpretation der darzustellenden Person ab. Es gelte nicht den klassischen Tanz zu zelebrieren sondern mit den Variationen desselben den Charakter der Figur auszudrücken.

In Kirill Sofronov und Veronika Zemlyakowa habe er eine ideale Besetzung des romantischen Paares Heathcliff und Cathy gefunden. Beide tanzen die unheimliche Leidenschaft, die Zügellosigkeit und verschmelzen mit der Thematik um Liebe und Leidenschaft. Jedoch werden nahezu alle Personen des Werkes von der Liebe berührt. Für Jake Burden stelle die Besetzung als Hindley, welcher dem Alkoholismus verfällt und seine Persönlichkeit ruiniert, eine neue Herausforderung dar. Als stolzer Nachwuchspreisträger und Darsteller des  Prinzen im „Nussknacker“ erlebte er einen Wandlungsprozess. Edgar, alias Andreas Loos, verkörpere nach außen eine ruhige Art, verfüge in seinem Inneren aber über ein interessantes Temperament. In der Handlung komme er einem Verlierer nahe, jedoch erhebt ihn die aufrichtige Liebe zu Cathy bis zu seinem Tode zu einer besonderen Erscheinung. Diese expliziten Feinheiten entwickelt der Choreograf gemeinsam mit den Tänzern in sehr intensiven Gesprächen. Die Tänzer entfalten die Gabe sich in die Figur hineinzufühlen.

premfieb030411_4Pawel Poplanski bezeichnet die Musik zu den „Stürmischen Höhen“ als romantisch. Sie stelle eine wilde, ungestüme  und leidenschaftliche Welt dar. Man höre den Wind dieser Landschaft in der Musik, er bricht sich an den Klippen. Die musikalischen Akzente vermitteln den Eindruck als würde der Wind einen hinwegfegen. Eine Urgewalt schafft sich Raum. Die Musik ist sehr frei gestaltet, sie weicht von dem klassischen Muster ab. Ähnlich wie bei Wagner versieht der Komponist die darstellenden Personen mit einem eigenen Musikmotiv. Allein am Klang der Töne ist die Figur erkennbar. Heathcliff ist stets von einer windigen, aufbrausenden Melodie umgeben. Juan León erkennt den Kern seiner Arbeit in dem Zitat „Am Anfang stand das Wort.“ Der Zugang über den Roman beseelte ihn Prinzipien darzustellen. Heathcliff könne heute mit dem Attribut „narzisstisch“ betitelt werden. Für die Person, welche zwischen Vergangenheit und Gegenwart gedanklich schwebt, bedürfe es eines besonderen Raumes. Die Gemälde verdichten sich in der Vergangenheit zu einem Panorama. In der Welt der Familie Linton verschwinden die Bilder. Der Raum öffnet sich, er stellt die Assoziation von Edgar zu Cathy dar. Dieser Mann bringt das Licht in Cathys Leben, durch ihn wird ihre Welt hell. Die Schwermut der Gemälde in Heathcliffs Leben wird durch Edgars Licht abgelöst.

Stephan Stanisic entwickelt für die 22 Szenen 110 Kostüme. Die Figur der Cathy verwandelt sich in 11 Kostümen, welches insbesondere über eine farbliche Entwicklung vermittelt wird. Größenteils sind die Kostüme neu entworfen, jedoch nutzte Stanisic auch den reichhaltigen Fundus des Theaters. Für die Herstellung der Kostüme stehen ihm 4 Wochen zur Verfügung, seine Ideen reiften jedoch schon vorab. Die Kostüme der Tänzer zu erstellen sei eine große Herausforderung, da diese in der Kleidung die tänzerischen Bewegungen ausführen müssen.

Die Kooperation zwischen Pawel Poplawski, der erstmals ein Ballett musikalisch leitet, und Gonzalo Galguera wurde hervorgehoben. Galguera betont, es gehe nicht darum der Eitelkeit des Einzelnen zu schmeicheln, sondern dem Stoff der Handlung in Demut und Liebe zu begegnen. Die Tempi der Musik und die Bewegungen der Tänzer gelte es aufeinander abzustimmen. Diese wunderbare Aufgabe meisterten die Beiden in einer uneitlen Zusammenarbeit. Die beeindruckenden Aussagen des „Kreativteam“ vermittelten eine phantastische Vorfreude und Spannung auf die Premiere der „Stürmischen Höhen“. Ein besonderer Dank gebührt Michael Otto, der das facettenreiche Podiumsinterview führte.


Besucher seit 1. Januar 2010
76837
You are here: Der Verein Öffentliche Vereinssitzngen Premierefieber „Stürmische Höhen“