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Kulturbotschafter Deutschlands 14.07.2010

Von Stefan Müller, Volksstimme Magdeburg, 14.07.2010

Magdeburger Ballett begeistert 40 000 Zuschauer in Kolumbien

Getanzt vor 40 000 begeisterten Zuschauern, Gespräche mit Tänzerinnen und Tänzern aus 17 Ländern der Erde und zahllose Kontakte zu den Einwohnern des Gastgeberlandes – dies ist das eindrucksvolle Fazit der Gastspielreise des Balletts Magdeburg ins kolumbianische Cali.
Magdeburg. Bereits zum vierten Mal war die Compagnie von Ballettdirektor Gonzalo Galguera nach Südamerika eingeladen worden, übrigens als einzige deutsche Formation. Neben Truppen aus den USA, Hongkong oder Australien zeigten Galguera und seine Tänzer Veronika Zemlyakova, Anastasia Gavrilenkova, Kirill Sofronov und Andreas Loos Auszüge aus den Choreografien "Ausnahmezustand", "Manon Lescaut", "Schwanensee" und "Le Papillon". Das Besondere in diesem Jahr: "Das Magdeburger Ballett durfte das internationale Ballettfestival von Cali eröffnen", sagt Gonzalo Galguera stolz.

Tanz in Stierkampfarena

Und das nicht zu Unrecht, bedenkt man, dass die Auftaktveranstaltung in einer ausverkauften Stierkampfarena abgehalten wurde, der 22 000 Menschen beiwohnten. Auch alle weiteren Veranstaltungen waren ausverkauft, ein Zeichen dafür, mit wie viel Herz und Leidenschaft sich die Menschen aus Cali, der Hauptstadt Bogotá und der Umgebung auf diese Aufführungen gefreut haben.

Zwischen den Vorstellungen, von denen es zum Teil gleich zwei an einem Tag gab, waren die Magdeburger Tänzer auch in den Kommunen des Landes unterwegs: "Tanz an sich ist in Kolumbien zu einem sehr populären Ereignis geworden", erklärt Gonzalo Galguera, "er hat die Kraft, die Menschen unterschiedlicher Klassen mit einfachen Mitteln zu erreichen. Dementsprechend war das Publikum auch sehr gemischt." Während der Zusammentreffen mit den Menschen vor Ort zeigten die Magdeburger Tänzer ihre Art zu tanzen und vermittelten Kindern wie Erwachsenen Einblicke in den Beruf. "Die Leute sind sehr wissbegierig und kommunikativ, da war es kein Problem, ins Gespräch zu kommen oder beispielsweise Tanzschritte zu zeigen oder – ganz einfach – wie man eine Tänzerin bei einer Hebefigur halten muss."

Dass es sich bei der Reise nach Kolumbien nicht um eine Urlaubsfahrt handelte, machte der Kulturbeigeordnete der Stadt Rüdiger Koch deutlich: "Die Compagnie hat sich einmal mehr als großartige Botschafterin für Magdeburg herausgestellt. Die jährliche Einladung nach Cali verdeutlicht die außerordentliche Wertschätzung der künstlerischen Leistungen des Magdeburger Balletts auf dem südamerikanischen Kontinent."

Erhalt steht nicht in Frage

Die junge internationale Compagnie der Landeshauptstadt könne mit einem genreübergreifenden Repertoire glänzen und verdinge sich ganz nebenbei noch als Sprungbrett für den Nachwuchs. Mit dem Elevenprogramm, bei dem jährlich junge Tänzer erste Erfahrungen in einer professionellen Compagnie sammeln können, hat das Magdeburger Theater eine nicht alltägliche Möglichkeit geschaffen, nach der Ausbildung an einer Hochschule im tatsächlichen Tanzberuf Fuß zu fassen. Mehr als 400 Absolventen kommen mittlerweile schon zum Vortanzen, fünfmal mehr als noch vor fünf Jahren. "Dies und natürlich die wunderbaren Programme der letzten Jahre im Hinterkopf habend, steht für mich der Erhalt der Ballett-Sparte in Magdeburg zu keinem Zeitpunkt in Frage", legte sich Rüdiger Koch fest.

Kein Wunder, hatte doch Gonzalo Galgueras Choreografie "Debütantenball" zuletzt ausschließlich Lob in höchsten Tönen vorzuweisen.

Der Ballettchef wird sich aber trotz des großen Erfolgs nicht unbedingt weiter als "Magdeburger Historiker" verdingen, auch wenn die über zweijährige Arbeit am Stück, in das der Kristallpalast ebenso Eingang gefunden hatte wie Hans Grade oder Oberbürgermeister Hasselbach, ihm viel Freude bereitet hat. Bis nach Kolumbien hat ihn diese Arbeit verfolgt: In einem Kulturzentrum zeigte er einen DVD-Mitschnitt des "Debütantenballs"; die Erinnerung an diesen Augenblick lässt Galguera lachen: "Die Leute waren begeistert, und anschließend durfte ich eine Stunde lang wie ein Stadthistoriker die Fragen der Gäste beantworten – zum Stück selbst, aber auch zur Architektur der Stadt, die ja im kleinen Vorfilm zum Stück mehrfach zu sehen ist." Im September steht der "Ball" übrigens wieder auf dem Spielplan …

Die Auslandserfahrungen, aber auch die Gastspiele in anderen Städten der Bundesrepublik bereichern das Wesen der Ballettcompagnie und tragen obendrein dazu bei, die frühere Industriestadt Magdeburg mehr und mehr auch als mitteldeutsches Kulturzentrum zu etablieren. Während der Vorführungen im Opernhaus, aber auch bei Tanzfesten, Ballettbegegnungen oder Tagen der offenen Tür kann sich davon jeder überzeugen – mit oder ohne eigene Ballettschuhe.
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