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Eine getanzte Liebeserklärung an die Stadt Magdeburg

 

Viel Beifall für die Premiere von Gonzalo Galgueras Ballett „Der Debütantenball“

Bevor die nächsten „Besucher“ vielleicht die Abrissbagger sind, war das Premierenpublikum am Freitagabend im Opernhaus Magdeburg noch einmal „Ballgast“ im Kistallpalast, zumindest in Gedanken. Ihn wählte Chefchoreograf Gonzalo Galguera als Ort der Handlung.

Von Helmut Rohm

Volksstimme Magdeburg 10.05.2010

Magdeburg. Ja, so könnte es gewesen sein. Der kronleuchterbestückte Festsaal. Durch das große Fenster ist der Magdeburger Dom immer gegenwärtig. Auch besonders begrüßte und hofierte Ehrengäste – da hat sich bis heute wohl nicht viel geändert – stellen sich ein. Hans Grade und der Oberbürgermeister mit Ehrenbuch kommen. Ein Zeremonienmeister (Daniel Ojeda) „regelt“ das Geschehen. Im Mittelpunkt stehen die Eleven, unter gestrenger Aufsicht. Beäugt von der Öffentlichkeit und den Eltern.

 

 

 

 

 

Hier sind es die Mädchen der Magdeburger Luisenschule sowie die zu ihrem ersten Ball eingeladenen Kadetten des Festungsregimentes unter General Friedrich Bertram Sixt von Arnim. Gonzalo Galguera und seinem Ausstatter Jérome Kaplan ist ein realistisches wie auch symbolträchtiges Sujet gelungen. Am Anfang die ehemalige, heute noch in Magdeburg lebende Debütantin. Nach einer Straßenbahnfahrt übersteigt sie den Zaun am Kristallpalast, hat Mühe, sich durch das dichte Gestrüpp Zugang in das heruntergekommene Gebäude und den früheren Festsaal zu verschaffen. In ihren Erinnerungen lebt die Ballzeit Anfang des 20. Jahrhunderts wieder auf.

Vom Videofilm wird zur Bühne „umgeblendet“. Dort ist auch das modellhafte Grade-Flugzeug nicht vergessen, gibt es effektvolle Zauberszenen. Dennoch wirkt alles kaum nostalgisch, doch mit viel Augenzwinkern. Kein Klamauk, doch durchweg heiter und humorvoll unterhaltend. Gonzalo Galguera erzählt in diesen zwei Ballstunden viele kleine Geschichten in der großen Geschichte. Die von Beginn an begeisterten Gäste erleben schönes und schön getanztes Ballett von einer ungemein engagierten Compagnie. Gonzalo Galguera hat Musik von Johann Strauß („Kadettenball“) und Jacques Offenbach („Le Papillon“) gewählt, „weil es gute Stücke“ sind. Warum sollte diese Lesart den Zuschauern nicht gefallen?

 


Fräulein Lotte in Höchstform

Das Premierenpublikum hat es genossen, einzelne Szenen spontan mit Szenenbeifall bejubelt.  Soli, Pas de deux, wechselnde Formationen, Pirouetten, Sprünge, Hebungen und flotte Schrittkombinationen sind effektvoll choreografiert und waren, wenn auch hier und da mit kleinen Wacklern, toll getanzt. Mindestens ebenso wirkungsvoll ist das Schauspielerische ausgeprägt. Mimik und Gestik, oft nur kurze Blicke, kaum sichtbar angedeutete Bewegungen offenbaren Emotionalität. Olga Ilieva als strenge Lehrerin Heise und Mutter des Fräuleins Lotte beherrschte diese Klaviatur überzeugend. Fabelhaft nicht gut tanzen können, fast an und mit den Männern zu verzweifeln – Emma Hanley Jones ist ein Fräulein Lotte in mitreißender Höchstform. Der Regieeinfall, das Ballett „Le Papillon“ von den Mädchen als „Ballzugabe“ aufführen zu lassen, bot bestens genutzte Möglichkeiten, Ballett pur zu präsentieren. Köstlich Anastasia Gavrilenkova als die alte Hexe Hamza, ebenso der quirlige, von Jake Burden dargestellte Kobold. Die von Kirill Sofronov (Karl-Otto und Prinz) und Veronika Zemlyakova (Anna/ Farfalla) getanzte innige Liebe war emotional spürbar. Das Orchester unter Michael Lloyd agierte schnittig in Märschen, lieblich in Walzern, besonders einfühlsam in Harfen- Violinensoli – Tanz und Musik passten stimmig zusammen.

Minutenlanger Beifall in der nicht völlig ausverkauften Premiere war verdienter Lohn. Die nächste Aufführung ist am

Montag, dem 24. Mai.

 

 

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